April 6, 2023

Die Rolle der Blockchain im Finanzwesen

Teil 2 unserer Serie befasst sich mit der Blockchain im Finanzwesen. Kann die Blockchain Desaster, wie den Zusammenbruch der Silicon Valley Bank, die größte US-Bankenpleite seit 2008, verhindern?

Die Rolle der Blockchain im Finanzwesen

Der Zusammenbruch der Silicon Valley Bank (SVB) löste weltweite Schockwellen aus, denn es ist die größte Bankenpleite in den USA seit der globalen Rezession von 2008. Regierungen versuchen aktuell die Auswirkungen auf Tech-Start-ups, Finanzinstitute und Pensionsfonds zu bewerten.
Das Finanzsystem der Silicon Valley Bank erweist sich dabei als zunehmend undurchsichtig und störanfällig. Dies hat einige Fachleute dazu veranlasst, die Einführung von Blockchain und Kryptowährungen zu fordern, um damit die Transparenz zu erhöhen, finanzielle Risiken zu verringern und ein sichereres Finanzsystem zu schaffen. Vor allem Bitcoin wurde aufgrund seiner dezentralen Natur als ideale Währung für solche Zwecke vorgeschlagen.

Die Kraft der Blockchain

Im Kontext der SVB Bank rückt somit die mögliche Rolle von Kryptowährungen gegenüber dem undurchsichtigen Finanzsystem ins Rampenlicht. Schauen wir uns an, wie die Blockchain-Technologie auf verschiedene Weise helfen kann, solche Probleme zu verhindern:

Erhöhte Transparenz: Die unveränderliche und transparente Natur der Blockchain kann einen klaren Blick auf alle Transaktionen und Bilanzen ermöglichen, wodurch es für Institutionen schwierig wird, illegale Aktivitäten zu verbergen oder Finanzpositionen zu verschleiern.

Dezentralisierung: Da es keine zentrale Behörde gibt, die die Blockchain kontrolliert, ist die Wahrscheinlichkeit eines einzelnen Ausfallpunkts (Single Point of Failure) geringer. Dies trägt dazu bei, die Auswirkungen des Zusammenbruchs eines einzelnen Instituts auf das gesamte Finanzsystem abzufedern.

Echtzeit-Prüfung: Die Blockchain ermöglicht eine Prüfung in Echtzeit, was Regulierungsbehörden und anderen Interessengruppen helfen kann, potenzielle Probleme frühzeitig zu erkennen und entsprechende Korrekturmaßnahmen zu ergreifen.

Smart Contracts: Durch die Verwendung von Blockchain-basierten Smart Contracts können verschiedene Finanzprozesse und Vereinbarungen automatisiert werden, wodurch die Wahrscheinlichkeit von menschlichen Fehlern und Betrug sinkt.

Erhöhte Sicherheit: Die kryptografischen Funktionen der Blockchain machen sie weniger anfällig für Cyberangriffe und Betrugsdelikte und sorgen für sichere und fälschungssichere Aufzeichnungen.

Stärkere Einhaltung von Vorschriften: Blockchain kann Melde- und Compliance-Prozesse rationalisieren und automatisieren, so dass es für Finanzinstitute einfacher wird, ihren Verpflichtungen nachzukommen, und Regulierungsbehörden die Aktivitäten effektiv überwachen können.

Tokenisierung von Vermögenswerten: Tokenisierung bezieht sich auf den Prozess der Umwandlung von Vermögenswerten in digitale Token innerhalb der Blockchain. Durch die Tokenisierung werden physische oder immaterielle Vermögenswerte in ein digitales Format konvertiert, das leicht handelbar, teilbar und zugänglich ist. Weiterhin wird durch die Tokenisierung von finanziellen Vermögenswerten die Liquidität der Blockchain erhöht und es Anlegern und Anlegerinnen erleichtert, den wahren Wert von Vermögenswerten einzuschätzen, wodurch die Gefahr einer Über- oder Unterbewertung verringert wird.

Auch wenn die Blockchain-Technologie dazu beitragen kann, die mit Finanzkrisen verbundenen Risiken zu mindern, ist es wichtig zu erkennen, dass sie kein Allheilmittel für alle Probleme ist. Eine Kombination aus solider Finanzpolitik, wirksamer Regulierung und verantwortungsvoller Innovation ist notwendig, um solche Probleme in Zukunft zu vermeiden.

Welche Auswirkungen kann die Blockchain auf andere Aspekte der Branche haben?

Die Einführung der Blockchain im Finanzwesen hat wesentliche Auswirkungen auf die Verbesserung der Customer Experience und der Compliance. Die erhöhte Transparenz, die eine Blockchain bietet, kann der Kundschaft einen besseren Einblick in ihre Transaktionen geben, so dass diese ihr Geld besser verfolgen und fundiertere Entscheidungen über ihre Investitionen treffen kann.

Die Kundinnen und Kunden fühlen sich somit bei ihren Finanzentscheidungen sicherer, da sie darauf vertrauen können, dass ausgegebene Informationen korrekt, aktuell und vertrauenswürdig sind. Die Blockchain-Technologie sorgt zusätzlich dafür, dass die Vermögenswerte der Kundschaft besser vor Cyberangriffen oder betrügerischen Aktivitäten geschützt sind. Sie schützt die Daten auch vor unbefugtem Zugriff oder Manipulation und macht es unmöglich, das System zu infiltrieren oder Informationen zu stehlen. Die Verschlüsselungsalgorithmen der Blockchain sind potente Mittel und resistent gegen sogenannte "brute force"-Attacken (eine gängige Methode für einen digitalen Raubzug) und bieten eine zusätzliche Sicherheitsebene, um die Daten der Kundschaft zu schützen.

Automatisierung ist ein weiterer Faktor – Smart Contracts ermöglichen die Automatisierung langwieriger Prozesse, wie z.B. die Überprüfung der Einhaltung von Richtlinien, wodurch weniger Papierkram zu bewältigen ist. Auch die bereits genannte Tokenisierung von Assets hilft der Kundschaft, den wahren Wert ihrer Investitionen besser zu verstehen, was das Vertrauen in das Finanzsystem zusätzlich stärkt.

Und nicht zuletzt können auch die Kosten in Form von Transaktionsgebühren gesenkt werden, weil weniger Vermittlungsdienste in Anspruch genommen werden. 

Was sind die Herausforderungen von Blockchain bei Finanzdienstleistungen?

Natürlich kommen mit der Blockchain auch einige Herausforderungen, die für eine erfolgreiche Umsetzung gemeistert werden müssen:

Skalierbarkeit: Eine der größten Herausforderungen der Blockchain ist ihre begrenzte Skalierbarkeit, da die steigende Anzahl von Transaktionen zu einer Überlastung des Netzwerks und langsamen Transaktionszeiten führen kann. Dies ist ein wichtiger Aspekt für Finanzdienstleistungen, die einen hohen Durchsatz und eine geringe Latenzzeit erfordern.

Interoperabilität: Der Mangel an Standardisierung und Interoperabilität zwischen verschiedenen Blockchain-Plattformen kann die nahtlose Kommunikation und den Datenaustausch zwischen verschiedenen Systemen in der Finanzdienstleistungsbranche behindern.

Regulatorischer und rechtlicher Rahmen: Die sich schnell entwickelnde Blockchain-Landschaft kann zu Unsicherheiten in Bezug auf Regulierungen und rechtliche Rahmenbedingungen führen, was es für Finanzinstitute schwierig macht, die Einhaltung von Vorschriften zu gewährleisten und sich in dem komplexen regulatorischen Umfeld zurechtzufinden.

Datenschutzbedenken: Öffentliche Blockchains sind von vornherein transparent, was zu Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes führt – insbesondere bei Finanzdienstleistungen, bei denen es meist um vertrauliche Daten geht. Private und autorisierte Blockchains können diese Bedenken bis zu einem gewissen Grad ausräumen, aber sie bieten möglicherweise nicht den gleichen Grad an Dezentralisierung wie öffentliche Blockchains.

Energieverbrauch: Proof-of-Work (PoW)-Konsensmechanismen, die von einigen Blockchain-Netzwerken wie Bitcoin verwendet werden, verbrauchen erhebliche Mengen an Energie und geben Anlass zu ökologischen Bedenken. Ethereum, die zweitgrößte Blockchain-Implementierung nach Bitcoin, hat jedoch bereits auf einen extrem energieeffizienten Proof-of-Stake (PoS)-Konsensalgorithmus umgestellt (s. Abb 1.)

(Abb 1: Jährlicher Energieverbrauch, ethereum.org)

Sicherheitsrisiken: Die dezentrale und kryptografische Natur der Blockchain kann zwar die Sicherheit erhöhen, aber sie ist nicht immun gegen potenzielle Risiken, wie z.B. 51%-Angriffe, bei denen eine einzige Entität die Mehrheit der Hashing-Power des Netzwerks kontrolliert und so die Blockchain manipulieren kann. Vereinfacht gesagt, wie bei einer demokratischen Abstimmung, bei der die absolute Mehrheit gewinnt.

Integration mit Legacy Systemen: Die Integration von Blockchain-Lösungen in bestehende Altsysteme kann eine Herausforderung sein, da sie erhebliche Änderungen an der Infrastruktur, den Arbeitsabläufen und den Prozessen erfordern kann.

Akzeptanz und Widerstand gegen den Wandel: Die Einführung von Blockchain kann auf den Widerstand von Interessengruppen in der Finanzdienstleistungsbranche stoßen, da sie bestehende Geschäftsmodelle stören kann und erhebliche Investitionen in Ressourcen, Technologie und Personal erfordert.

Talent und Fachwissen: Es gibt einen Mangel an qualifizierten Fachkräften mit Kenntnissen in der Blockchain-Technologie, was es für Finanzinstitute schwierig macht, effektive Blockchain-Lösungen zu entwickeln, zu implementieren und zu pflegen.

Eine Zukunft mit Blockchain im Finanzwesen - mögliche Lösungen und Anwendungsfälle

1. Smart Contracts zur Automatisierung von Zahlungen und Verbesserung der Effizienz 

Smart Contracts auf Blockchain können zur sicheren Automatisierung von Zahlungen verwendet werden, wodurch manueller Papierkram entfällt und Transaktionskosten gesenkt werden. Smart Contracts sind auch nützlich, um komplexe Vertragsprozesse zu rationalisieren, z.B. bei Versicherungsansprüchen und Kreditverträgen. Damit tragen Smart Contracts auch zur Klimafinanzierung und Nachhaltigkeit bei – wir werden in unserem nächsten Artikel tiefer auf dieses Thema eingehen.

2. Tokenisierung zur Neudefinition des Besitzes von Assets 

Blockchain-basierte Tokenisierung ermöglicht es allen Nutzenden, digitale Assets wie Aktien oder Immobilien sicher und transparent zu speichern und zu übertragen. Dies kann dazu beitragen, die mit der Verwaltung von Assets verbundenen Kosten zu senken und gleichzeitig einen unveränderlichen Eigentumsnachweis zu erbringen.

3. Dezentralisierte Börsen zur Erleichterung des Handels 

Dezentrale Börsen (DEXs) erlauben es Anwenderinnen und Anwendern, sicher und anonym mit digitalen Assets zu handeln, ohne dass eine zentrale Mittelspersonen erforderlich ist. Dies könnte dazu beitragen, die Handelskosten zu senken und die Liquidität auf den Märkten zu verbessern.

4. Digitale Identitäten für die Überprüfung der Kundschaft (Know-Your-Customer, KYC) 

Digitale Identitätslösungen auf der Blockchain können verwendet werden, um Userdaten sicher zu speichern und zu verwalten, wodurch es für Finanzinstitute einfacher wird, die Authentizität dieser zu überprüfen. Dies kann dazu beitragen, Betrugsfälle zu reduzieren und die Prozesse zur Aufnahme von Kundinnen und Kunden zu verbessern.

5. Decentralised Finance (DeFi) Tools zur Risikominderung

Durch den Einsatz von DeFi-Tools wie dezentralen Börsen und Stablecoins können Finanzinstitute ihr Risiko der Marktvolatilität verringern und gleichzeitig von hohen Renditen profitieren, wenn sich die Märkte positiv entwickeln. 

6. Distributed Ledger Technology (DLT) zur Verbesserung von Transparenz und Rückverfolgbarkeit 

Die DLT verbessert die Transparenz und Rückverfolgbarkeit in der Finanzdienstleistungsbranche, indem sie eine unveränderliche Aufzeichnung aller Transaktionen liefert, wodurch die Notwendigkeit von Drittparteien entfällt. Dies könnte weitreichende Auswirkungen auf die Bekämpfung von Finanzbetrug und Geldwäsche haben.

7. Fortgeschrittene Datenanalyselösungen mit Blockchain-basierter Infrastruktur

Durch die Verbindung von Datenquellen über eine sichere Blockchain-Infrastruktur können fortgeschrittene Analyselösungen wie KI-gesteuerte prädiktive Analysen implementiert werden, um den Einblick in finanzielle Trends zu verbessern und potenzielle Risiken zu erkennen, bevor sie auftreten. 

8. Einhaltung gesetzlicher Vorschriften mit automatisierten regelbasierten Systemen

Durch die Einbettung regulatorischer Anforderungen in automatisierte, regelbasierte Systeme können Finanzinstitute problemlos die Einhaltung der neuesten Regulierungen sicherstellen und gleichzeitig den manuellen Papierkram und den Zeitaufwand für administrative Aufgaben minimieren. Dies führt zu einer verbesserten Effizienz und geringeren Betriebskosten.

9. Security Tokens für regulatorische Compliance und Sicherheit

Durch die Ausgabe von Sicherheits-Tokens können Finanzinstitutionen leicht die Einhaltung der neuesten Regulierungen sicherstellen und gleichzeitig Anlegerinnen und Anlegern einen sicheren und transparenten Zugang zu Investitionsmöglichkeiten bieten. 

10. Blockchain-Technologie für den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr (Cross-Border Payments)

Durch den Einsatz von Blockchain-basierten Lösungen können grenzüberschreitende Zahlungen schnell, sicher und kostengünstig abgewickelt werden. Dies trägt dazu bei, die Reibungsverluste bei internationalen Finanztransaktionen zu verringern und globale Zahlungen schneller, einfacher und sicherer zu machen.

Fazit

Es ist ziemlich offensichtlich, dass die Blockchain-Technologie die Finanzindustrie nachhaltig verändern wird. Durch die Nutzung ihrer sicheren und dezentralen Natur können Finanzinstitute die Kosten für die Verwaltung von Assets, den Handel und die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften senken. Darüber hinaus können Unternehmen durch fortschrittliche Datenanalyselösungen, die auf einer Blockchain-Infrastruktur aufbauen, wertvolle Einblicke in Markttrends gewinnen und Risiken erkennen, bevor sie auftreten. Indem sie diese Anwendungsfälle für Anwendungen wie Smart Contracts oder Sicherheits-Token in ihren Geschäftsabläufen nutzen, sind Unternehmen letztlich gut positioniert, um von erhöhter Effizienz und Kosteneinsparungen zu profitieren und Kundinnen und Kunden schnellere Transaktionen zu niedrigeren Gebühren zu bieten. Und das kommt weiterhin der Umwelt und einem besseren ESG-Wert zugute (wir betrachten den Aspekt Nachhaltigkeit im nächsten Artikel gründlich). Vor allem aber kann die Blockchain-Technologie eine entscheidende Rolle bei der Schaffung von mehr Vertrauen und Transparenz in der Finanzdienstleistungsbranche spielen.

Teil 2 unserer Serie befasst sich mit der Blockchain im Finanzwesen. Kann die Blockchain Desaster, wie den Zusammenbruch der Silicon Valley Bank, die größte US-Bankenpleite seit 2008, verhindern?
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